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Interview mit Mark Hofmann

Kurz vor dem Ironman in Frankfurt konnte ich mich mit Mark Hofmann, Gründer der Aktion „Laufen gegen Leiden“ zu einem Interview verabreden. In Begleitung von Justus sprechen wir über die Faszination des Triathlons, persönliche Zwiegespräche, und seine Rolle als „Leitwolf“.

Mark, am Sonntag startest du als veganer Triathlet zu deinem ersten IRONMAN. Wo lagen deine Schwerpunkte bei der intensiven Vorbereitung?
Die Herausforderung lag darin das Ganze Job, Kind, Frau, die Aktion „Laufen gegen Leiden“ (LDL) und wöchentlich 18 Stunden Training in den Alltag integrieren zu können.
Beim Training lag der Schwerpunkt vermehrt beim Fahrradfahren, da das Gros der Leistung  beim Fahrradfahren abgerufen wird. Das Lauftraining musste ich in den letzten sieben Wochen zurückschrauben, da ich mir einen Ermüdungsbruch im  Kreuzbein zugezogen habe. Die Ärzten versicherten mir jedoch, dass es kein instabiler Bruch ist und ich problemlos an den Start gehen kann. Das Schlimmste was mir passieren kann sind Schmerzen und damit kann ich umgehen.

Für einen „Normalo“ klingt das nach unsinniger Quälerei – wozu?
Der Sport an sich ist mir seit der frühen Kindheit sehr nahe, aber dass das in diesem Maße explodiert, verdanke ich meiner Umstellung auf ein veganen Leben. Ich kann das durchhalten, ich kann es in etwas Positives umwandeln und meinen Körper und meinen Geist weiterbilden, mich weiterentwickeln. Der Körper ist faul und ich bewege ihn, der Geist ist rastlos und ich befriede ihn. So wachse ich auf beiden Ebenen mit dem Ausdauersport. Dadurch hoffe ich zu einem besseren Menschen zu werden.

Der Ironman stand fast ein Jahr lang in deinem absoluten Fokus, visualisiert und täglich aktualisiert am Board in deiner Wohnung. Welche Faszination strahlt der Ironman auf dich aus? Welches sportliche Ziel hast du dir gesetzt und was folgt danach?
Im Gegensatz zu einem Marathon sind die Leute noch verrückter. Was ich wirklich interessant finde, sind die Leute, die neben Familie, Job nach ca. 15 Stunden ins Ziel kommen. Die erzählen richtig interessante Geschichten, wo dann die Tränen fließen. Die berühren mich unheimlich. Je größer die Aufgabe, die es zu bewältigen gibt ist, desto größer sind die Emotionen. Das genieße ich sehr. Ich glaube mich im Triathlonsport wohlfühlen zu können. Das Ziel ist ankommen, sportlich und körperlich und mental aufsaugen, inspirieren lassen, soviel mitnehmen wie möglich. Ich möchte erstmal sehen, wohin mich dieses Ereignis persönlich bringt, ob es irgendetwas in mir auslöst.
In deiner Ausstellung „Vegan Extreme“ gab es ein fantastisches Zitat eine Sportlers:“es geht nicht um Geschwindigkeit, nicht um Distanz es geht um Bewegung. Ich möchte gerne laufen können, …, grosse , lange Strecken und es so selbstverständlich wie atmen empfinden .“ (Anmerkung: Zitat von Stefan Chares)
Ja es geht um die Bewegung, um das Reisen von A nach B und zu schauen, was unterwegs passiert. Ich überlass es viel lieber meiner Spontanität, obwohl ich mir vorstellen kann, so etwas nochmals zu machen.
Da wir das zweite Kind erwarten, werde ich im kommenden Jahr etwas zurückschrauben und auch nicht die 100km in Biel laufen.

In unserem letzten Interview sagtest du, dass der Sport dir die Möglichkeit gibt, „mit dir selber in ein persönliches Zwiegespräch zu gehen“. Welche Themen stehen, standen im Vordergrund?
Eigentlich erinnere ich mich nicht wirklich an Details und das ist ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass ich nicht viel mit mir „gestritten“ habe.
Im Prinzip geht es um das Erfahren, was in diesem Moment passiert und welche positiven oder negativen Auswirkungen das, was ich gerade mache, auf mich hat  und vor allem warum. An was und warum erinnert mich diese Strasse, dieses Waldstück an etwas in meinen Leben? Warum ist mir dies (un)angenehm? Die Erkenntnis, die Erfahrung steckt immer hinter diesem ‚Warum‘.
Wenn ich mich körperlich stark fordere, fällt bei mir eine Maske und ich bin völlig offen, frei von schlechten Gedanken und das kenn ich nur im Sport. Das sind die Zwiegespräche die ich mit mir führe. Auf einer sehr offenen Ebene versuche ich das ‚Warum‘ zu klären, hinter den verschiedenen Einstellungen, Gefühlen, die ich habe, Themen, mit denen ich mich beschäftige.

In Frankfurt  startest du nicht nur als Triathlet,  sondern als „Leitwolf“ des Laufrudels deiner Aktion „Laufen gegen Leiden“, um Spendengelder für Sea Shepherd zu sammeln. Wie ist die Resonanz auf „LGL“ und gibt es schon Ideen für zukünftige Events?
Ich erhalte eine gute Resonanz, was die Spenden, die verkauften T-Shirts, die eingehenden e-Mails angeht. Die Leute vor Ort  wie beim ersten veganen Lauffest in München im Englischen Garten interessiert es leider weniger. Die Internet-User , Online-Presse und die Blogs, die laufen heiss. Es ist gleichgültig wo wir laufen, viel wichtiger ist mir den Teilnehmern eine tolles gemeinschaftliches Event in einer schönen Umgebung bieten zu können. Vielleicht wird nächstes Jahr ein Trail-Event im Bayrischen Wald stattfinden.

Was treibt dich an, was gibt dir die Energie, neben deinem Beruf, deiner Familie, deine sportlichen Ziele und den vegane Läuferrudel zu vereinbaren?
Ich hab einmal den Entschluss gefasst am Ironman teilzunehmen, LGL wachsen zu lassen, beides bestmöglichst in mein Leben zu integrieren, Teil meines Lebens werden  zu lassen. Umso mehr Leute sich an LGL interessieren, mitmachen, spenden umso mehr bin ich motiviert für den Sport und umgekehrt, je mehr ich in meinem Sport aufgehe, desto mehr Aufmerksamkeit kann ich generieren.
Und wenn du einmal einen Entschluss gefasst hast, tust du alles Nötige um das Ziel zu erreichen. Insofern denke ich nicht darüber nach und es kostet mich keine Energie. Ich mache es einfach, weil es mir Spass macht und mir was bringt. Irgendwann wird es wohl auch meinen zeitlichen Rahmen sprengen.

Du hast vor vier Jahren deine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten radikal umgestellt und lebst seitdem vegan. Gibt es Zweifel an dem eingeschlagen Weg?
Der Begriff ‚Vegan‘ scheint in der letzten Zeit recht verwässert zu sei. Vegan ist nicht nur die pflanzliche Ernährung. Die veganen Lebensweise basiert ja auf einem moralischen Entschluss. Den kannst du nicht an und ausknipsen nach Bedarf. ‚Vegan sein‘ beinhaltet auch Dinge zu hinterfragen. Wenn mir beim Triathlon z.Bsp. Gels von Powerbar angeboten werden, so nehme ich die nicht, weil ich nicht die Tierversuche des NESTLE-Konzerns unterstützen möchte.
Aber es ist nie genug, was man macht –  es reicht einfach nicht. Mit 37 hat man …habe ich immer noch Hoffnungen. Die kann ich mir leider nicht alleine erfüllen. Dass meine Hoffnungen real werden, müssen 7 Milliarden andere Menschen noch mitspielen. Das ist ein Ziel, das ich nicht erreichen kann. Wenn das Ziel eine Utopie ist, weisst du nicht,  wo du auf diesem weg bist. Das lässt mich unzufrieden sein. Darum habe ich das Gefühl nie genug zu tun. Daran verzweifle ich manchmal und werde traurig. Aber nichts zu tun ist keine Option.

mehr Infos zu „Laufen gegen Leiden“ auf der webseite :

http://www.laufengegenleiden.de/

Gleich 14 Seiten hat „das vegan magazin“ in seiner Erstausgabe dem SportART-Projekt „Vegan eXtreme“ gewidmet. Das neue Lifestyle-Magazin wird herausgegeben von Christian Vagedes und ist im „ethiconomy-verlag“ erschienen.Ausstellungsprojekt "Vegan eXtreme - SportlerInnen und ihre Ernährung"